Chronik 90 Jahre

An dieser Stelle soll der Versuch unternommen werden, eine Darstellung der Entwicklung des Beueler Stadtsoldaten-Corps von 1936 bis zum heutigen Tag zu geben. Leider gibt es über viele Ereignisse und Begebenheiten der bewegten Geschichte des Corps keine Dokumente oder Unterlagen, die bei diesem schwierigen Unterfangen weiterhelfen könnten.

Darüber hinaus gingen im Laufe der Zeit und hier ganz besonders in den Wirren des Zweiten Weltkrieges im allgemeinen Durcheinander viele interessante Unterlagen, Protokolle und Zeitungsausschnitte unwiederbringlich verloren. Hinzu kommt, dass in den Gründerjahren des Corps auf Formalismus und schriftliche Dokumente offensichtlich kein allzu großer Wert gelegt wurde.

Den Männern der ersten Stunde ging es um die Pflege des Karnevals. Organisation oder gar Verwaltung und Reglementierung, in welcher Form auch immer, waren nicht gefragt. Spontanität und die Liebe zur Sache waren die Triebfedern, die diese Männer beherrschten. Hier war Formalismus nur hinderlich, und unter diesem Aspekt wurde er auch nur zögernd und fast widerwillig, Schritt für Schritt, als ein unumgängliches Übel angenommen. Geselligkeit, das war es, was im Vordergrund stand, und diese konnte man auch ohne den ganzen Zwang einengender Reglementierungen pflegen und fördern.


1935 – 1939

So ist es auch zu verstehen, dass der Geburtstag unseres Corps eigentlich etwas zu spät gefeiert wird, denn gegründet wurde das Beueler Stadtsoldaten-Corps am 11.11. des Jahres 1935. Es war also am 11. im Elften des Jahres 1935 in einer Beueler Gaststätte, als das Corps aus der Taufe gehoben wurde. Das Datum konnte im Stadtarchiv festgestellt werden, aber die Gaststätte leider nicht. Dabei waren Hans Peffekoven, Wimar May, Stefan und Michael Schell, Leo Wilbertz, Heinrich und Peter Klöver, Josef Arenz u.a.

Dank guter Vorarbeit zwischen dem Ortsverband der vereinigten Ortsvereine und der Gemeindeverwaltung konnte im Jahre 1935 erstmals wieder ein Karnevalszug durch die Straßen von Beuel geführt werden. In Martin Weigand fand man den ersten Prinzen nach dem Ersten Weltkrieg. Die Gesellschaft „Blumenkranz“ beteiligte sich mit einem Festwagen an diesem Umzug. Das zu dieser Zeit noch zwischen Köln und Beuel verkehrende Wäscherboot wurde getreu nachgeahmt. Zur Besatzung dieses Bootes, das von Käpt’n Willi Thiebes gesteuert wurde, gehörten u.a. Hans Peffekoven, Wimar May, Stefan und Michael Schell, Leo Wilbertz, Heinrich und Peter Klöver sowie Josef Arenz. Diese fassten, angeregt durch den großen Erfolg, mit einigen anderen den Entschluss, in Beuel ein Stadtsoldaten-Corps zu gründen.

In mehreren Zusammenkünften wurde über das Für und Wider beraten, die Grundlage gutgeheißen und im Spätherbst des Jahres 1935 bei einer der letzten Aussprachen zwischen dem „Blumenkranz“ und dem Festausschuss für den Beueler Karneval, die beide zur gleichen Zeit jeweils bei Jean Holtorf und Jakob Harling tagten, der Grundstein für die Bildung eines Beueler Stadtsoldaten-Corps gelegt und mit Bier und Wein für ein gutes Gelingen rechtskräftig besiegelt. Man wusste und war sich einig, eine Bürde aufgeladen zu haben, die allen eine Menge von Arbeit brachte. In unzähliger Kleinarbeit wurde emsig gearbeitet, überlegt und verhandelt. Es verging keine Sitzung, die nicht bis an die Grenze der Polizeistunde ging. Ohne sich noch um die Bildung eines Stabes zu kümmern, legte man schon ein Sparbuch an. Es was ja keine Zeit mehr zu verlieren, wollte man im Jahre 1936 schon mit dabei sein. Die Durchführung dieser guten Sache lag bei Stefan Schell.

Doch bald war auch der Stab ins Leben gerufen, und dank voller Einmütigkeit wurde man dieser Sache Herr. Zum Kommandanten war Hans Peffekoven ohne Widerstreben gewählt, und schnell gesellten sich ihm hinzu die Herren Josef Arenz als Adjutant und Stefan Schell als Zahlmeister. Doch auch die Truppe bedurfte eines Betreuers, der in dem im Feldwebel- rang stehenden Heinrich Becker gefunden wurde. Das war fürs erste genug, um alle anfallenden Arbeiten erledigen zu können. Satzungen wurden erstellt, die Farbenfrage rot und blau, damals gültige Farben im heimatlichen Beuel und noch vieles andere wurden geklärt.

Schwieriger aber war es, ein nettes, hübsches Tanzmariechen zu finden, weil bis zu dieser Zeit immer traditionsgemäß ein Junge diesen Posten bekleidete. Im Auge hatte man schon lange eine, doch wusste man nicht, ob Vater und Mutter ihre Zustimmung geben würden. Bewaffnet mit allen zu Gebote stehenden rednerischen Talenten machte man bei den Eltern die Aufwartung. Im festen Glauben, hier schnell zu einem Entschluss zu kommen, wurde man eines anderen belehrt. Zuletzt aber war dann doch das Eis gebrochen und Fräulein Margarethe Uhrmacher aus der Johannesstraße konnte stolz als das erste Tanzmariechen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Alles lief wie gewünscht, eifrig wurde gespart, jeder überschüssige Betrag kam ins Sparbuch, hatte man doch von keiner Seite einen Zuschuss zu erhoffen oder zu erhalten.

Aber auch etwas anderes lief unentwegt weiter: die Zeit. Denn man schrieb schon 1936 – in der Person von Heinz Espey war schon der neue Prinz geboren – man stand da und hatte die Gelder nicht zusammen für Uniformen, die den Gründern so am Herzen lagen. Was blieb übrig, als Uniformen zu leihen, um überhaupt mitmachen zu können.

In der Zwischenzeit hatte man in Michael Schell einen Zeugmeister bekommen, der bemüht war, nach Uniformen Ausschau zu halten. Nicht genügend Geld im eigenen Besitz, war es unmöglich, daran zu denken, das Leihhaus Herbst in Bonn in Anspruch zu nehmen. Mit der Bitte um ein Darlehen wandte man sich nun an die Gemeinde und erhielt die Zusage, dass dieser Bitte entsprochen würde. Alle Schranken waren gefallen, und der Zeugwart hatte alle Hände voll zu tun, um aus dem Leihhaus Herbst die notwendigen Sachen zu holen. Alles sah ganz nett aus, und auch die hohen Blechhüte wurden ohne Murren mit in Kauf genommen, wusste man doch, dass es nur einmalig sein würde.

In dieser Uniform zog man dann vom Lokal Fritz Köppler, das man zum Stammquartier erkoren hatte, zum Aufstellungsplatz des Festzuges, jedoch mit dem Gedanken, dass die Uniformen am gleichen Tag wieder in Bonn sein mussten. Wehmütig nahm man dieses hin, im Vertrauen darauf, im nächsten Jahr aber in eigener Uniform umso freudiger mitmachen zu können.

In diese Zeit fiel auch das Erlernen eines Stadtsoldatentanzes durch den Tanzlehrer Brück, dem als Motto der Bonner Schlager „Jo, su ne Bönnsche Jung“ zugrunde lag. Dieser Tanz ist bis heute erhalten geblieben und stellt jetzt den Traditionstanz des Corps dar unter dem Titel „Jo, su ne Beuele Jung“.

Ein Kuriosum

„Ein Kuriosum“ sei wert, hier festgehalten zu werden: Die rechte Seite der Tanzenden bildeten vier Soldaten mit dem Vornamen Heinrich, und zwar Klöver, Saal, Bier und Becker. Als Tanzoffizier kämpfte sich der Kommandant mit seinem Tanzmariechen durch diese Reihen. Die linke Seite sah die Soldaten Willi Savelsberg, Peter Klöver, Leo Wilbertz und Michael Schell auf ihren Posten.

In der Werkstatt des Schneidermeisters Karl Wecke wurden die eigenen Uniformen fertiggestellt. Stolz und erhaben marschierte das Corps im Fastnachtszug des Jahres 1937 unter Prinz Peter I. (Könsgen) und besuchte vor und nach dem Zug Vereine und Gesellschaften.

Auch unter der Regierungszeit des Prinzen Hans I. (Thiebes) im Jahre 1938 war das Corps stets dabei und trug auch hier in guter Zusammenarbeit zum schönen Gelingen bei. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung eines Kindercorps, dessen erster Leiter Michael Schell wurde. Immer intensiver setzten sich von nun an Stab und Mitglieder für die gute Sache ein. Eine langsame, aber stetige Aufwärtsentwicklung war unverkennbar. Büttredner, Sänger und Quartette bildeten sich im Verein und trugen sehr zur Verschönerung der karnevalistischen Abende bei. Sogar kleine Sketche und Parodien wurden von einzelnen Gruppen eingeprobt und aus der Taufe gehoben.

So ist eines dieser Bühnenstücke wert, festgehalten zu werden. „Unter den Brücken von Köln“, unter der Regie des Vergnügungsoffiziers Heinrich Bier hervorragend inszeniert, erlebte am Silvesterabend 1938/39 seine Uraufführung im Hotel „Rheingold“. Den Hintergrund, eine malerische Brückenkulisse, fertigte Heinrich Saal, fein säuberlich abgestimmt, eigens dafür an. Dieser Silvester des Jahres 1938/39 brachte den Erfolg langjähriger intensiver Arbeit in Gestalt einer groß aufgezogenen Sitzung vor ausverkauftem Hause. Unter der bewährten Schultheißführung von Bernhard Rosue wechselten sich Büttredner und Sänger einander ab, wurde das oben näherbeschriebene Bühnenstück aufgeführt, und ein Ballett von acht jungen Mädchen aus der näheren Umgebung, betreut von Anni Bernds aus Bonn, stellte sich an diesem Abend ebenfalls, erst allein, dann in Partnerschaft von vier Stadtsoldaten, dem Beueler Publikum vor.

Überwältigt von diesem großen Erlebnis, konnte man in Ruhe dem kommenden Karneval 1939 entgegensehen.

Auch 1939 stand das Corps dem neuen Prinzen Georg I. (Winter) an den Karnevalstagen zur Seite, dann folgte bald die rauhe Wirklichkeit: der Zweite Weltkrieg, der alles beendete, was so gut begonnen hatte.


1940 – 1949

Während dieser unseligen Jahre ruhte das Vereinsleben völlig. Nachdem sich die Lage nach Beendigung des Krieges wieder einigermaßen normalisiert hatte, wurde versucht, das Vereinsleben wieder in Gang zu bringen.

Auch die Jahre 1946 bis 1947 waren noch nicht dazu angetan, außer einigen kleineren Zusammenkünften und Sitzungen, nach außen hin so zu wirken, wie man es gewohnt war. Und doch wurde versucht, Corps und Wagenpark zu vergrößern und um eine Feldküche zu bereichern.



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Im Jahr 1948 waren dann erstmals wieder Stadtsoldaten in Uniform zu ersten karnevalistischen Aktivitäten in Beuel unterwegs. Belegt ist dies mit einem Schreiben 01. Februar 1948 des damaligen Geschäftsführers an den Heimatverein Beuel. Heinrich Bier bestätigt die Teilnahme an einem karnevalistischen Abend und kündigt das Eintreffen des Corps gegen 21.30 Uhr an.

Mit dem 15. März 1948 datiert auch eine der ersten Satzungen des Corps. Hier ist noch von ordentlichen Mitgliedern (Linie und Reserve) und außerordentlichen Mitgliedern (Landsturm) die Rede. Darüber hinaus gab es bereits Ehrenmitglieder (Senatoren). Auch sind Kadetten und Kinder aufgeführt.

Im Jahre 1949 griff der Heimatverein, unter seinem Präsidenten Prof. Dr. Heinrich Neu, den Karnevalsgedanken wieder auf, zwar ohne einen Zug zu gestalten, doch in dem Bewusstsein, Karneval wieder in den Verein hineinzutragen. Auch das Corps besuchte in dieser Zeit wieder die Vereine in der Gemeinde. Zu Beginn der 50er Jahre wurde ein neuer Anfang gemacht.


1950 – 1959

1950 hatten sich einige Kameraden zusammengeschlossen, um einen vereinseigenen Fanfarenzug zu gründen. Wegbereiter dieses Gedankens war Karl-Josef Berger, der auch wusste, wo man schnell und preiswert an die dafür notwendigen Instrumente kommen konnte. Es wurden regelmäßig Proben angesetzt, und in den Jahren 1951/52 stellte sich der neu gegründete Fanfarenzug der Öffentlichkeit vor, wo er erste Erfolge errang. Auch die Weihe einer neuen Standarte im Jahre 1951 zeigte: das Corps hatte an Ansehen gewonnen. Unter Prinz Leo I. (Schebben) und seiner Beuela (Gisela Hammer) formierte sich der erste Karnevalszug nach dem Ende des Krieges.

Das Corps nahm auch in den folgenden Jahren an den Beueler Karnevalszügen teil: 1952 unter Prinz Josi I. Thiebes und Frau Thea, 1953 unter Prinz Franz I (Jansen) und Frau Änne, 1954 unter Prinz Karl I (Osterhammel) und seiner Prinzessin Lotti (Zündorf).

Im Oktober 1954 trat das Corps dem „Bund Deutscher Karneval“, Köln, sowie dem „Festausschuss Siebengebirge“, dem Zusammenschluss der Karnevalsgesellschaften von Beuel bis Unkel, bei. Den Beueler Karnevalszug führten Prinz Willi I (Sülzen) und Prinzessin Anneliese (Zettelmeyer) an.

Auch 1956 nahm man wieder am Karnevalszug unter Prinz Hans (Uhlenbrock) und Prinzessin Mathilde teil.

Da sich inzwischen der Ortsverband der vereinigten Ortsvereine aufgelöst hatte, stellte das Corps den Prinzen des Jahres 1957 selbst: Prinz Heinz II. (Blindert), Prinzessin Maria (Lorent) begleitete ihn.


1960 – 1969

In den 60er Jahren wurden zwei Siebengebirgsprinzen gestellt. Das Jahr 1961 stand ganz im Zeichen des 25-jährigen Bestehens des Corps. Höhepunkt der Feierlichkeiten war der Karnevalszug durch Beuel. Prinz Karl II. (Rosemann) war der närrische Herrscher, der als erster Prinz von Beuel von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer in seinem Rhöndorfer Heim empfangen wurde.

1967 ergriff das Corps wiederum die Initiative, einen Karnevalszug auf die Beine zu stellen. Ein Prinz war schnell gefunden: Heinrich II (Saal), ein Mitgründer des Corps. Das Motto dieses letzten vom Corps durchgeführten Zuges lautete „Meckere net“. An diesem Zug beteiligten sich die Vereine und Gesellschaften aus Beuel und dem Siebengebirge mit zahlreichen Wagen und Fußgruppen.

In den Jahren 1968 bis 1970 wandelte sich der vereinseigene Fanfarenzug zum Blasorchester. Große Anstrengungen kamen auf die musizierenden Kameraden zu. Jetzt mussten Noten gelernt und neue Instrumente angeschafft werden. Der Saal des Kath. Pfarrheims an der Viktoriastraße, in dem seit Jahren die Prunksitzung des Corps durchgeführt wurde, war seit langem schon viel zu klein geworden. Aus diesem Grunde wandte sich das Corps an die Stadtverwaltung mit der Bitte, die neuerrichtete Sporthalle an der Kolpingstraße dem Corps zur Ausrichtung der Prunksitzung zur Verfügung zu stellen. Das wurde abgelehnt, so dass die Prunksitzung im Jahre 1970 noch einmal im Kath. Pfarrheim stattfinden musste.


1970 – 1979

Am 25. Oktober 1970 starb der Mann, der seit Gründung des Corps als erster Kommandant an dessen Spitze stand: Hans Peffekoven. Noch im gleichen Jahr wurde in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Leonhard Schebben, Prinz des Jahres 1951, zu dessen Nachfolger gewählt. Er übte das schwere Amt des Kommandanten bis 1973 aus.

1971 hatte die Stadtverwaltung ein Einsehen und gab die neue Sporthalle für Karnevalsveranstaltungen frei. Endlich konnte sich das Corps richtig entfalten und sich auf der herrlich großen Bühne der Beueler „Beethovenhalle“ gebührend präsentieren. Im gleichen Jahre wurde das Kadettencorps gegründet. Es sollte die Lücke zwischen Kindercorps und dem Gesamtcorps schließen.

Um eine alte Freundschaft wieder aufleben zu lassen, wurden 1972 gemeinsame Platzkonzerte mit der LiKüRa-Ehrengarde in Küdinghoven und in Beuel veranstaltet. An der Rathauseinweihung in Beuels französischer Partnerstadt Mirecourt im Oktober des gleichen Jahres nahm man ebenfalls zusammen mit den Freunden der LiKüRa-Ehrengarde teil.

In unserer Hauswirtschaft anlässlich Pützchens Markt wurde die „Prummekaat“ (Pflaumenkuche) wieder eingeführt.

Im Mai des Jahres 1973 nahm das Corps am Fest der Bruderschaft „Taste-Quiche“ teil. Es war der zweite Besuch in Mirecourt. Nach dem Ausscheiden des Kommandanten Leonhard Schebben aus dem Corps wurde die Vereinsspitze umgebildet. Seitdem regierte der Führungsstab, das Dreigestirn bestehend aus Adjutant, Schatzmeister und Geschäftsführer, das Corps. Nachdem man im September an einem herrlichen Festzug in Antwerpen teilgenommen hatte, besuchte das Corps im November die alte Reichshauptstadt Berlin. Dort nahm man mit beachtlichem Erfolg zusammen mit der Wäscherprinzessin und dem Alten Beueler Damenkomitée an verschiedenen Veranstaltungen teil.

Ein Wochenende in Gent und Geraardsbergen (Belgien) im Jahre 1974 brachte viel Spaß für die Beteiligten, und die Belgier lernten rheinische „Kamelle“ kennen. Zum 25. Male wurde die Altenheimfahrt mit den Bewohnern der Beueler Altenheime durchgeführt. Die schon zur Tradition gewordene Fahrt, unterstützt durch das Sozialamt der Stadt, wird bei den Teilnehmern jeweils mit Begeisterung aufgenommen. Ein weiteres „Jubiläum“ konnte beim Pützchens Markt gefeiert werden.

Seit 15 Jahren als „Schausteller“ mit einer „Hauswirtschaft“ war das Corps beim Pützchensmarkt, dem größten rheinischen Jahrmarkt, beteiligt. Martha Sonntag, unser „guter Geist“ in Pützchen, stellte uns seit Jahren hierfür freundlicherweise Haus und Hof zur Verfügung. Im gleichen Jahr konnte die schon seit langem fällige Eintragung des Corps in das Vereinsregister beim Amtsgericht Bonn vollzogen werden.

Kaum war die Karnevalssession überstanden, folgte das Corps im Jahre 1975 einer Einladung nach Chalon-sur-Saone (Frankreich), am dortigen Karnevalszug teilzunehmen. Zweieinhalb Stunden lang bewegte sich der aus 56 Wagen und Gruppen bestehende prächtige Zug durch die herrlich geschmückten Straßen der Innenstadt.

Das 25. Jubiläum des Musikzuges im Juni des Jahres wurde vom Corps mit Biwak und Platzkonzert auf dem Rathausvorplatz gefeiert. Der Musikzug, in der Nichtkarnevalszeit, also von Aschermittwoch bis 1. November eines jeden Jahres, nicht untätig, trat erstmals im Kulturprogramm Bonner Sommer mit großem Erfolg in Erscheinung.

Im Jahre 1976 wurde das 40-jährige Bestehen des Corps mit einem Stiftungsfest und einem Festakt im Saal des kath. Pfarrheims groß gefeiert. Die noch lebenden Gründer wurden besonders geehrt. Alle Tanzmariechen seit 1936 waren der Einladung gefolgt und wurden mit dem Jubiläumsorden ausgezeichnet. Ausgezeichnet wurde auch das Corps durch den Bund Deutscher Karneval mit dem Orden des Fastnachtsmuseums Kitzingen. Eine Ausstellung „Beueler Fastelovend“ zusammen mit dem Alten Beueler Damenkomitee in den Geschäftsräumen der Dresdner Bank fand großen Anklang in der Bürgerschaft.

Im folgenden Jahr 1977 konnte nach langwierigen Verhandlungen mit Politikern und der Stadtverwaltung ein Mietvertrag über freistehende Hallen im Beueler Brückenkopf der Kennedybrücke zur Errichtung eines Zeughauses abgeschlossen werden. Unmittelbar danach begann der Ausbau der Brückenhallen zu einem Zeughaus mit Clubraum, Schankraum großer Halle, Tanzfläche, Teeküche, zwei Toiletten, Büro, Archiv, Kleiderkammer und Fahrzeughalle. Endlich hatte das Corps die Möglichkeit der zentralen Unterbringung aller vereinseigenen Gegenstände und insbesondere der Fahrzeuge unter einem Dach. Darüber hinaus ist das Zeughaus seitdem Mittelpunkt vieler, auch privater Feiern.

Die Jahreshauptversammlung 1978 wurde dazu genutzt, den 1973 aus einer Notlage heraus gebildeten „Führungsstab“ in einen „geschäftsführenden Vorstand“, bestehend aus dem Kommandant und Vorsitzenden, dem Geschäftsführer und dem Schatzmeister, umzuwandeln, der seitdem die „Spitze“ des Corps bildet. Zum Kommandanten und Vorsitzenden wurde der seitherige Schatzmeister und Leiter des Kindercorps, Egon Peffekoven gewählt. Im gleichen Jahr wurde eine Hausordnung für das neue Zeughaus erlassen.

Die Einweihung des neuen Zeughauses am 13. Mai 1979 war ein Meilenstein in der Geschichte des Corps. Im 43. Jahr seines Bestehens konnte das Corps in Anwesenheit von Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und natürlich auch aus dem Karneval die Fertigstellung des Zeughauses in einem Festakt begehen. Zur Beueler Kirmes wurde das neue Zeughaus erstmals für die Beueler Bevölkerung geöffnet. Mit Kirmesfrühschoppen und Tanz zur Kirmes konnte eine Marktlücke auf der Beueler Kirmes geschlossen werden. Im gleichen Jahr konnte zum 30. Mal die Altenheimfahrt mit den Bewohnern der Beueler Altenheime durchgeführt werden. Außerdem war das Corps mit seiner eigenen „Hauswirtschaft“ nun schon seit 20 Jahren „Schausteller“ auf Pützchens Markt. An der traditionellen Prunksitzung im Jahre 1980 nahm erstmals die „Clique Finkechlopfer“ aus Ennetbaden (Schweiz) teil. Mit ihrer „Schweizer Guggemusig“ erfreuten die Gäste aus der Schweiz, die das Corps bei einer Frankreichreise nach Chalonsur-Saone kennengelernt hatte, die Wäscherprinzessin und die Beueler Bürger. Erstmals nahm in diesem Jahr eine corpseigene Reitergruppe unter Leitung von Adjutant Fritz Joost am Bonner Rosenmontagszug teil.


1980 – 1989

Nachdem das neue Zeughaus in Betrieb genommen war, konnte hier erstmals zur Jahreswende 1980/81 ein Silvesterball stattfinden.

Anlässlich seines 50. Geburtstages im Jahre 1981 wünschte sich Kommandant Egon Peffekoven Geldspenden, um hiermit eine neue Standarte für sein Kindercorps anschaffen zu können. Auch die aus dem Jahre 1951 stammende Corpsstandarte wurde erneuert.

Ein Höhepunkt des Jahres war die Bildung des Senats aus dem Kreis der Senatoren sowie die Ernennung des Senatspräsidenten Walter Becker. Die Aufgabe des Senats liegt im Wesentlichen in der fachlichen, ideellen und materiellen Beratung und Unterstützung des Corps.

Im Jahre 1982 konnte eine weitere Halle im Brückenkopf zur Einstellung von Fahrzeugen angemietet werden, mit einem großen Tor und somit ideal für diesen Zweck.

Als „Aufgabe des Jahres“ hatte sich das Corps die Renovierung des Fahrzeugparks gestellt. Die aus dem Jahre 1940 stammende und noch von der ehemaligen deutschen Wehrmacht eingesetzte Feldküche wurde zerlegt und völlig überholt. Auch eine Instandsetzung des ebenfalls aus dem Jahre 1940 stammenden Bagagewagens konnte mit Hilfe des Senats erfolgen. Außerdem wurde eine Pferdekutsche gekauft und zum Bagagewagen für das Kindercorps umgebaut. Schließlich wurde noch ein größerer und stärkerer Traktor angeschafft.

Galt die Teilnahme einer corpseigenen Reitergruppe am Bonner Rosenmontagszug 1980 auch nur als Versuch, so war sie doch Ausgangsbasis für ein ehrgeiziges Ziel, welches nur zwei Jahre später – 1982 – verwirklicht werden konnte: Die Gründung eines eigenen Reitercorps, das dem Gesamtcorps als selbständige Abteilung angegliedert wurde und dessen äußeres Erscheinungsbild ohne Zweifel noch repräsentativer macht.

Im Hinblick auf das 50. Jubiläum wurde 1983 eine neue Sturmfahne angefertigt, da zu befürchten war, dass die alte Fahne das Jubiläum 1986 nicht mehr erleben würde. Diese alte Fahne wird nunmehr als Traditionsfahne bei besonderen Anlässen benutzt.

Im Bonner Hofgarten wurden „Kurfürstliche Spiele“ durchgeführt. Das Corps nahm zusammen mit den anderen Bonner Traditionscorps an dieser Veranstaltung teil, spielte Szenen aus der Kurfürstenzeit vor großer Kulisse nach und sorgte für besondere Aufmerksamkeit.

1984 wurde die „Protze“, ein einachsiges Gespann zwischen Zugmaschine und Feldküche, instand gesetzt. Die Jahreshauptversammlung verabschiedete eine neue, den veränderten Erfordernissen angepasste Satzung. Im September nahm das Corps am 1. Bundestreffen der Deutschen Traditionsgarden teil, das der „Bund Deutscher Karneval“ anlässlich der 2000-Jahr-Feier in Trier ausrichtete.

Der Senat hatte 1984 einen weiteren Bagagewagen in Auftrag gegeben, den er Anfang 1985, rechtzeitig zu Beginn der Session, dem Corps übergeben konnte.

Einen der Höhepunkte der ausverkauften Prunksitzung bildete der Auftritt der „Clique Finkechlopfer“. Es war bereits der zweite Besuch der Schweizer Freunde bei den Beueler Stadtsoldaten.

Das 50. Corpsjubiläum begann am 9.11.1985 mit einem Generalappell im Zeughaus. Dabei wurde dem Corps eine von aktiven Kameraden gebaute Kanone mit Protze übergeben. Sie wurde sogleich auf den Namen „De decke Marie“ getauft und erhielt als „Jööd“ Johanna Peffekoven, die Gattin des Kommandanten.

Am 31.12.1985 fand im Zeughaus der Silvesterball aus Anlass des Jubiläums statt.

Das Jahr 1986 begann am 12.01.1986 mit einer Messe für die Lebenden und Verstorbenen des Corps in der Pfarrkirche St. Josef. Dieser Messe schloss sich der Festkommers zum 50. Corpsjubiläum an, der mit 300 Ehrengästen im großen Sitzungssaal des Beueler Rathauses stattfand. Heinz Wacker, der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, ehrte das Corps durch Überreichen der Ehrenschleife des BDK und zeichnete die noch lebenden Gründungsmitglieder des Corps, Heinrich Becker und Heinrich Saal, mit dem Goldenen Verdienstorden des BDK für 50-jährige Mitgliedschaft aus. Karl-Josef Berger, der Leiter des Musikzuges, erhielt den silbernen Verdienstorden des BDK für Aufbau des Fanfarenzuges und spätere Umwandlung zum heutigen Musikzug (Blasorchester). Am 01.02.1986 fand die Große Jubiläums-Prunksitzung in der Sporthalle Beuel statt. Das Corps nahm an den Karnevalszügen in Beuel, LiKüRa und Bonn teil.

Bei der Jahreshauptversammlung am 23.04.1986 wurde das Corps um eine weitere Abteilung vergrößert: aus den „Kanonenbauern“ wurde nun offiziell eine Abteilung mit der Bezeichnung „Artillerie“, deren 1. Leiter Jakob Jolliet wurde.

Am 30.4.1986 fand aus Anlass des Jubiläums die Veranstaltung „Tanz in den Mai“ mit Wahl eines Maikönigspaares zusammen mit der befreundeten Karnevalsgesellschaft Kaasseler Jonge in der Rheinhalle Oberkassel statt. Am 12.05.1986 wurde die traditionelle Altenheimfahrt mit den Bewohnern der Beueler Altenheime Vilich, Pützchen und Ramersdorf durchgeführt. Ein Grillfest für alle Mitglieder des Corps am Bierpavillon „Blauer Affe“ neben dem Haus am Rhein fand am 23.08.1986 statt.

Das Verwaltungsgericht Köln fällte am 25.09.1986 im Rechtsstreit zwischen unserem Corps und dem staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Bonn das Urteil mit dem Ergebnis, dass das Jugendarbeitsschutzgesetz auf das Beueler Stadtsoldaten-Corps keine Anwendung mehr findet, da die Beschäftigung der Kinder und Jugendlichen im Beueler Stadtsoldaten-Corps nicht als Arbeit im Sinne des Gesetzes anzusehen ist. Dieses Urteil hat auch Auswirkungen auf viele andere Karnevalsvereine, die Kinder- und Jugendarbeit betreiben und bedeutet für alle eine große Erleichterung. So musste für jeden Auftritt des Kindercorps bis dahin eine schriftliche Bescheinigung der Eltern, der Schule und des Arztes eingeholt werden. Der Abschluss des Jubiläumsjahres fand am 27.09.1986 statt. Ein Platzkonzert mit Biwak unter Mitwirkung der Bürgerwehrmusik Villingen (Villingen-Schwenningen im Schwarzwald) fand auf dem Rathausvorplatz statt. Gegen Abend folgte ein großer Festzug vom Zeughaus durch Beuels Straßen zum Beueler Stadion und wieder zurück zum Zeughaus mit allen Fahrzeugen und Pferden. Dieser Festzug wurde überschattet durch den plötzlichen Tod von Mitgründer Heinrich Saal, dem es als Musiker im Musikzug kurz vor Erreichen des Stadions unwohl wurde und kurze Zeit nach Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Auf dem Sportplatz oberhalb des Beueler Stadions fand eine Reiterquadrille des Reitercorps statt. Egon Peffekoven, der Kommandant und Vorsitzende, wurde zum Abschluss des Jubiläums mit dem Silbernen Verdienstorden des BDK ausgezeichnet. Bei der Abschlussparade musizierten die beiden Musikcorps aus Villingen und Beuel gemeinsam. Ein Rheinischer Abend im Zeughaus zusammen mit den Freunden aus dem Schwarzwald schlossen sich an.

Während es im Zeughaus hoch herging, mussten Schatzmeister Wolfgang Schenk und Geschäftsführer Klaus-Heinz Greuel auf Bitten der Polizei im Totenkeller des Beueler Krankenhauses ihren Kameraden Heinrich Saal identifizieren. Anschließend war die Witwe in Kenntnis zu setzen.

Vom 13. bis 16.11.1986 besuchte das Corps zum zweiten Mal die alte Hauptstadt Berlin und war zu Gast bei der Berliner Große Karnevalsgesellschaft von 1949 e.V.

Das Jahr 1987 begann gleich mit einem Höhepunkt. Der Besuch des Berliner Prinzenpaares Prinz Peter III und Prinzessin Katja I sowie des Berliner Kinderprinzenpaares Prinz Thorsten I und Prinzessin Katrin U bei der Großen Prunksitzung am 21.02.1987 stand auf dem Programm. Die Dankesfahrt des Corps für die Aktiven und den Senat fand am 14.06.1987 statt. Mainz, Rhens und Unkel wurden besucht, während in Mainz eine Führung durch die Sektkellerei Kupferberg mit anschließender Sektprobe bei den Teilnehmern viel Anklang fand. Auch bei der Grundsteinlegung des Beueler Brückencenters (das spätere Brückenforum) am 04.07.1987 war das Corps beteiligt. Musikzug, Feldküche und 2 Bierwagen wurden vom Corps gestellt. Das Jahr wurde beschlossen mit einem großen Silvesterball im Zeughaus.

Der erste Höhepunkt des Jahres 1988 war die Beteiligung an der Einweihung des neuen Wäscherinnenbrunnens in der Hermannstraße vor dem Gebäude der dortigen Volksbank. Am 16. 2. 1988 verstarb Heinrich Becker, das letzte noch lebende Gründungsmitglied. Am Promenadenfest der Beueler Vereine am 04.06.1988 beteiligte sich das Corps mit einer Tanzveranstaltung im Zeughaus. Am 16. 6. 1988 fand erneut ein Grillfest am Bierpavillon „Blauer Affe“ am Rheinufer statt. Zum Karnevalsauftakt fuhr das Corps am 12. und 13.11.1988 nach Zell an die Mosel. Man nahm an einer Weinprobe teil, trat bei der dortigen Prinzenproklamation auf und nahm auf Einladung des Senats an einem Spanferkelessen im Hause des Senatspräsidenten Walter Becker teil.

Das Jahr 1989 wurde gleich mit einem historischen Ereignis eröffnet. Am 28.01.1989 fand die Große Prunksitzung erstmals im neuen Beueler Brückenforum vor ausverkauftem Saal (901 Plätze) statt. Nach jahrelangen Provisorien in der Sporthalle an der Ringstraße, nachdem das Pfarrheim St. Josef zu klein geworden war, konnte das Corps nun endlich im großen Rahmen bei entsprechendem Ambiente seine Sitzung durchführen. Das Corps und das Publikum waren begeistert. Endlich hatte Beuel einen großen Saal, der alle Erwartungen erfüllte. Zum zweiten Mal kam die Wäscherprinzessin aus den Reihen des aktiven Corps. Ina I (Ina Hallitzky) tanzte im Kadettencorps. Am 18. 2. 1989 nahm das Corps an einem Karnevalszug in Mortsel/Antwerpen teil.

„Beueler Erinnerungen“ hieß eine Großveranstaltung der Beueler Vereine aus Anlass der 2000-Jahr-Feier der Stadt Bonn am 21.05.1989. Das Corps nahm mit einem Historischen Biwak daran teil. Im Herbst dieses Jahres, vom 23.-24.09.1989 fuhr das Corps nach Villingen-Schwenningen, um dort an einem Fest der Bürgerwehrmusik teilzunehmen. Zum Abschluss des Jahres fand wieder ein Silvesterball im Zeughaus statt.


1990 – 1999

Auch 1990 wurde die Obermöhn bei der Suche nach einer Wäscherprinzessin im Kadettencorps der Stadtsoldaten fündig. Sabine II. (Sabine Pagenkemper) hieß diesmal die närrische Regentin über Beuel. Am 17.01.1990 führte das Corps im Auftrag des Festausschusses Siebengebirge die Dankordensverleihung im Beueler Brückenforum durch. Ein Dankorden ging auch an den langjährigen Geschäftsführer Klaus-Heinz Greuel.

Wegen starker Stürme musste der Rosenmontagszug am 26.02.1990 kurz vor seinem Beginn abgesagt werden. Kurzerhand improvisierte das Stadtsoldaten-Corps hinter sicheren Mauern im Zeughaus ein närrisches Karnevalstreiben. Bei der Jahreshauptversammlung am 18.04.1990, bei der ein neuer Vorstand zu wählen war, wurde erstmals in der Geschichte des Corps eine Frau in den Gesamtvorstand gewählt. Sabine Pagenkemper, amtierende Wäscherprinzessin des Jahres 1990, wurde einstimmig zur Beisitzerin gewählt. Am 11.09.1990 verstarb Hans Müller, der langjährige Sitzungspräsident der Beueler Stadtsoldaten, im Alter von 66 Jahren.

Im Vorgriff auf sein 40-jähriges Bestehen im Jahre 1991 feierte der Musikzug am 27.10.1990 im Zeughaus ein „Oktoberfest“.

Der Beginn des Jahres 1991 stand unter keinem guten Stern. Am 16.01.1991 brach der Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits aus. Im Bonner Raum wurden sämtliche Karnevalsveranstaltungen abgesagt. Auch die Beueler Stadtsoldaten schlossen sich am 19.01.1991 schweren Herzens dieser Entscheidung an. Die öffentliche Meinung stand gegen die Durchführung des Karnevals. Andernorts, z.B. in Köln, ließ man sich weniger beeindrucken. Zumindest die Saalveranstaltungen fanden dort statt.

Zahlreiche Regressansprüche von unter Vertrag stehenden Kräften für die Prunksitzung kamen auf das Corps zu.

Egon Peffekoven, Kommandant und Vorsitzender, feierte am 04.04.1991 seinen 60. Geburtstag. Zu seiner Überraschung führte das Corps erstmals in seiner Geschichte vor dem Hause Peffekoven in Vilich-Müldorf den „Großen Zapfenstreich“ auf. Nach Abschluss der Umbauarbeiten und Erweiterungen, z.B. eines Trainingsraumes mit Schwebeboden und Spiegelwand, wurde das Zeughaus im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ wiedereröffnet.

Am 09.11.1991 veranstaltete das Corps zum Auftakt der neuen Karnevalssession ausnahmsweise seinen Generalappell im großen Saal des Beueler Brückenforums. Der Grund war die wegen des Golfkrieges abgebrochene Session. So konnten einige der für die abgesagte Prunksitzung verpflichteten Kräfte bei dieser Veranstaltung auftreten und Regressansprüche wurden vermieden.

Bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen fand die Karnevalssession 1992 statt. Insbesondere die Teilnahme an den Karnevalszügen in Beuel, LiKüRa und Bonn konnte nicht schöner sein. Nachholbedarf im Feiern hatten die Menschen offenbar aufgrund der im Vorjahr wegen des Golfkrieges abgebrochenen Session und des in Bonn wegen Sturms im Jahr davor ausgefallenen Rosenmontagszuges. Alle Veranstaltungen waren restlos ausverkauft. Zu den Karnevalszügen kamen regelrecht „Menschenmassen“. Am 23.05.1992 hatte das neu angeschaffte eigene Zelt der Stadtsoldaten beim Promenadenfest am Rheinufer Premiere. Auch beim Pützchens Markt vom 11.-15.09.1992 wurde es von vielen Gästen begeistert bestaunt.

Bei der Großen Prunksitzung am 13.02.1993 im Brückenforum traten erstmals auch die „Bläck Fööss“ auf. Am Karnevalsdienstag, dem 23.02.1993, trat nach 43 Jahren der Gründer des Fanfarenzuges und späteren Musikzuges, Karl-Josef Berger, von seinem Amt als Leiter des Musikzuges zurück, um einem Jüngeren Platz zu machen. 43 Jahre als Leiter des Musikzuges auch ein Mitglied des Vorstandes zu sein, wird ihm so schnell niemand nachmachen.

Beuel erlebte 1993 eine schlimme Hochwasserkatastrophe. Auch das Zeughaus blieb nicht verschont. In einer beispiellosen Aktion wurde das Zeughaus von zahlreichen Helfern gesäubert, damit der bereits ausverkaufte Silvesterball überhaupt stattfinden konnte.

Das Jahr 1994 wurde geprägt durch die Feiern zur 25. Wiederkehr der Gründung der Städtepartnerschaft zwischen Beuel und der französischen Stadt Mirecourt in den Vogesen. Die Wäscherprinzessin kam aus Mirecourt. Lucie I. (Claude) eroberte mit ihrem Charme die Herzen der Beueler im Sturm. Angetan von diesem Charme fuhren 550 Beueler Karnevalisten in 11 Reisebussen am 26. und 27.02.1994 nach Mirecourt, um dort einen großen Karnevalsumzug durchzuführen. Die Stadtsoldaten stellten mit 97 Personen die größte Gruppe. Der Wagen der Wäscherprinzessin und der Bezirksvertretung mit der Glocke, dem Symbol der Städtepartnerschaft, wurden auf Tiefladern nach Frankreich geschafft. Bagagewagen der Infanterie und Feldgeschütz der Artillerie fuhren nach Mirecourt. Die Franzosen stellten Zugpferde für die Fahrzeuge und Reitpferde für das Reitercorps zur Verfügung. Es war ein überwältigendes Ereignis. Mehr als 1000 Teilnehmer nahmen bei strahlendem Sonnenschein an diesem Umzug teil, der sowohl in die Geschichte von Beuel als auch von Mirecourt eingehen wird. Viele Beueler Zaungäste, darunter auch Alt-Bürgermeister Hans Steger, einst Motor der Partnerschaftgründung, kam nach Mirecourt, um sich zusammen mit den französischen Freunden das Spektakel, den „Grand Défilé“, anzusehen. Fernsehen und Presse berichteten vom „Karneval Rhenan“. Beim deutsch-französischen Abend in der Mehrzweckhalle zeigten die Beueler Vereine, darunter auch die Stadtsoldaten, ein abwechslungsreiches karnevalistisches Bühnenprogramm.

Beim Pützchens Markt 1994 war das Corps letztmals mit einer Hauswirtschaft zu Gast auf dem Anwesen Marktstraße 17, da mit dem dortigen Eigentümer für künftige Jahre nicht mehr ins Geschäft zu kommen war.

Ende Januar 1995 stand Beuel zum zweiten Mal in kurzer Zeit vor einer Hochwasserkatastrophe. Auch das Zeughaus stand diesmal 15 cm unter Wasser. In der noch trockenen Wagenhalle kochten am 28.01.1995 die Stadtsoldaten Erbsensuppe und brachten diese kostenlos mit Hilfe des THW in Booten zu den vom Hochwasser Betroffenen sowie zu den zahlreichen Helfern. Von dieser Aktion, die von der Presse aufgegriffen wurde, erfuhr auch Bundespräsident Roman Herzog. Er lud Jakob Jolliet, den Leiter der Artillerie, zu einem Informationsgespräch in die Villa Hammerschmidt ein, und bedankte sich bei den Stadtsoldaten für diese Geste.

Der Sessionsorden 1995 stand im Zeichen des 44-jährigen Bestehens des Musikzuges. Das Kindercorps wurde am 22.02.1995 vom Bundespräsidenten und seiner Ehefrau vor der Villa Hammerschmidt empfangen. Ein Bild des bützenden Bundespräsidenten mit einem Mädchen des Kindercorps wurde in zahlreichen deutschen Zeitungen abgedruckt, so in der Schwäbischen Zeitung am Bodensee, im Schwarzwald-Boten und in einer bayrischen Zeitung.

Beim Pützchens Markt vom 08.-12.09.1995 war das Corps erstmals mit einer Zeltwirtschaft auf einer gepachteten Wiese gegenüber der Adelheidiskirche in Pützchen dabei.

Das Jahr 1996 steht im Zeichen des 60-jährigen Bestehens des Beueler Stadtsoldaten-Corps. Da es kein Jubiläum im eigentlichen Sinne ist, feiern die Stadtsoldaten schlicht und einfach ihren 60. Geburtstag. Zieht man anlässlich eines solchen Geburtstages Bilanz, so wird man feststellen, dass das Beueler Stadtsoldaten-Corps zu einem festen Bestandteil im Beueler Vereinsleben, zu einem Garanten fröhlichen Treibens und vor allem zu einem kontinuierlichen Pfleger überlieferter Traditionen in Beuel geworden ist. Auch über die Grenzen Beuels und der Gesamtstadt Bonn hinaus gilt das Beueler Stadtsoldaten-Corps als eine Truppe von hervorragendem Format und ebenso vorbildlicher Disziplin. Es hat sich im Verlauf der vergangenen sechs Jahrzehnte redlich bemüht, echten Gemeinschaftsgeist zu zeigen. Dazu gehört, den Menschen Jahr für Jahr Freude zu bereiten und vor allem die alten und bedürftigen Mitbürger nicht zu vergessen. Aber auch die Unterstützung der traditionsreichen Beueler Weiberfastnacht ist allen Kameraden ein herzliches Anliegen, versteht sich doch das Beueler Stadtsoldaten Corps als Schutztruppe der Wäscherprinzessin. Beuel kann mit Recht stolz sein auf seine Stadtsoldaten.

Im Jahre 1997 feierte die Artillerie ihr 11. Gründungsjahr. Gefeiert wurde mit dem gesamten Corps natürlich im Zeughaus.

Kommandant Egon Peffekoven wechselte erstmals bei den Karnevalsumzügen vom Pferd auf seine Kutsche, die seitdem fester Bestandteil in der Zugformation ist.

Das Finanzamt erkennt das Beueler Stadtsoldaten-Corps als gemeinnützigen Verein an.

Das Jahr 1998 war gekennzeichnet durch Veränderungen und zahlreiche Jubiläen. In der Jahreshauptversammlung wurde mit Dirk Esch ein neuer Geschäftsführer gewählt und Thorsten Lebang übernahm die Leitung des Musikzuges. Etliche Beisitzer wurden ausgetauscht. Auch bei den Senatoren wurde ein Generationswechsel vollzogen. Herbert Wagner übernahm den Vorsitz vom bisherigen Senatspräsidenten Walter Becker. Das Kindercorps feierte sein 60. Jubiläum, Kommandant Egon Peffekoven blickte auf 20 Jahre Kommandant zurück und auch in Beuel standen die Zeichen auf feiern: 40 Jahre Beueler Wäscherprinzessin und 25-jähriges „Dienstjubiläum“ von Obermöhn und Präsidentin des Alten Beueler Damenkomitees Erna Neubauer.

Ende Januar 1998 reiste das Corps auf Einladung der 1. Karnevalsgesellschaft 1935 e.V. nach Würzburg.

Neben einigen touristischen Aktivitäten, wie Stadtrundfahrt u.ä., wurde das Corps vom Bürgermeister der Stadt Würzburg empfangen und begeisterte anschließend bei seinem Sitzungsauftritt das fränkische Publikum.

Beim Generalappell am 13.11.1999 wurde dem Senator der Beueler Stadtsoldaten, Franz Brock, der Verdienstorden des Beueler Stadtsoldaten-Corps anlässlich seiner Verdienste um die Brauchtumspflege, insbesondere der Beueler Weiberfastnacht, verliehen. Anlässlich des Jahrtausendwechsels fand am 31.12.1999 der letzte Silvesterball statt.


2000 – 2009

Hans Hallitzky leitete am 26.02.2000 erstmals als Sitzungspräsident die Prunksitzung des Corps. Somit bekleidete erstmals wieder ein Eigengewächs des Corps diese wichtige Aufgabe.

Die Bonner Stadtsoldaten traten erstmals auf der Prunksitzung auf. Nach ihrem Programm erhielten sie ein Überraschungsgeschenk: zwei Stippeföttchen-tanzende Stadtsoldaten, ein Beueler und ein Bonner, aus Marzipan. Das Werk aus dem Hause Kesko wurde konserviert und erhielt einen Ehrenplatz im Zeughaus der Bonner Stadtsoldaten.

Das Jahr 2001 begann mit einem Jubiläum. Es galt 50 Jahre Musikzug gebührend zu würdigen. Mit einem Festkommers im Januar hatten alle Freunde und Förderer des Musikzuges Gelegenheit mitzufeiern.

In diesem Jahr zog sich Egon Peffekoven, der die Geschicke des Corps mehr als 30 Jahre geleitet hatte, aus der ersten Reihe zurück und übergab den Vorsitz an Hans Hallitzky. Beim Generalappell wurde die Amtsübergabe vollzogen. Im April wurde Egon Peffekoven 70 Jahre alt und das Corps gratulierte ihm im Rahmen eines Überraschungsumtrunkes im Zeughaus nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub.

Das Reitercorps lud am 18.01.2003 das Corps anlässlich seines 20-jährigen Bestehens auf den Reiterhof auf der Kalenborner Höhe ein. Zum Jubiläum wurde neben dem Sessionsorden ein passender Anstecker verliehen. In den Zügen präsentierte sich die Abteilung mit neuen Satteldecken, die durch gestickte Abteilungszeichen geziert werden. Am 23.01. des Jahres erhielt Egon Peffekoven das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um das heimatliche Brauchtum, den Karneval und die Beueler Stadtsoldaten.

Der Karnevalsdienstag 2004 stand ganz im Zeichen der gewachsenen Freundschaft zwischen den Beueler und Bonner Stadtsoldaten. Gemeinsam zogen beide Corps am Nachmittag durch Bonn, boten Musik und Tanzdarbietungen und sammelten für den guten Zweck. Auf dem Bonner Marktplatz fand dann die Session 2004 ihr Ende. Beide Kommandanten befahlen „Reserve hat Ruh“ und im Zeughaus unter der Rheinbrücke klang der Tag gemütlich aus. Ein gemeinsamer Bericht über dieses Ereignis wurde sowohl im Sessionsheft der Beueler Stadtsoldaten als auch in der Feldpost der Bonner Stadtsoldaten abgedruckt.

Im Jahr 2005 jährte sich die Gründung des Beueler Stadtsoldaten Corps zum 70. Mal. Ein Highlight war sicher die Prunksitzung im Brückenforum. Erstmals lud der Musikzug zu einem zweistündigen Konzert ins Zeughaus ein. Das „Frühjahrskonzert“ war ein voller Erfolg. Das Zeughaus platzte aus allen Nähten und das Publikum war voll des Lobes für die Darbietungen.

Für seine Arbeit hinter den Kulissen, ohne ein offizielles Amt zu bekleiden, erhielt Peter Esch als Anerkennung der Bönnschen Durschlöscher den „Bönnschen Clown“.

Als 16. Damenkomittee in Beuel wurde am 10.08.2006 das Damenkomittee „Beueler Määdche“ gegründet. Ziel war es, den ehemaligen Tanzmariechen und Kadetten nach ihrem Ausscheiden aus dem Corps eine neue karnevalistische Heimat zu geben. Die erste Präsidentin wurde Melanie „Mo“ Amthor, die in der darauffolgenden Session zur Wäscherprinzessin proklamiert wurde.

Wolfgang Schenk und Klaus Heinz Greuel wurden auf dem Generalappell des gleichen Jahres jeweils zum Major befördert.

Das 22. Jubiläum konnte die Artillerie im Jahr 2007 feiern. Auf der Jubiläumsfeier wurde die neue Kanone mit dem Namen „Kleene Pitter“ offiziell vorgestellt und in den Straßenumzügen der Session erstmals mitgeführt.

Auch das Kindercorps freute sich über ein besonderes Jubiläum: 70 Jahre sind seit der Gründung vergangen. Auf eine ebenso lange Zeit der Zugehörigkeit kann Karl Josef Berger zurückblicken. Bereits in früher Kindheit wurde er Beueler Stadtsoldat und kann heute dieses seltene Jubiläum feiern. Lange Jahre war er als Leiter des Musikzuges tätig. Und auch heute schlägt sein Herz für die Musik.

Eine durchgreifende Änderung wurde in diesem Jahr im geschäftsführenden Vorstand vollzogen. Nach 27 Jahren legte Wolfgang Schenk sein Amt als Schatzmeister nieder und wurde zum Corpsquartiermeister gewählt. Der neue Schatzmeister wurde Klaus Broich. Somit besteht der geschäftsführende Vorstand nun aus vier Personen, die sich die anfallende Arbeit aufteilen.

Im Jahr 2008 konnte das Reitercorps sein 25-jähriges Bestehen feiern. Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete die Reiterquadrille, zu der auch befreundete Karnevalisten und auch Tollitäten anwesend waren. Eine besondere Ehrung wurde unserem Kniepes zu teil. Sein Konterfei ziert nun eine Bronzetafel, die an der Hochwasserschutzmauer am Beueler Rheinufer angebracht wurde. In einer feierlichen Zeremonie weihte unser Feldgeistlicher Pfarrer Dr. Wilfried Evertz die Tafel ein.


2010 – 2020

Das Zeughaus wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten der Kennedybrücke stark in Mitleidenschaft gezogen. Die ersten Planungen für die Renovierung wurden in Angriff genommen. Um die Veranstaltungen der Jubiläumssession in der Session 2010/2011 zu organisieren, gründete sich der „Arbeitskreis 75. Jubiläum“. Die Session 2010 wird als eine der schneereichsten und kältesten in die Geschichte eingehen. Da die Wetterverhältnisse und insbesondere die Situation auf den Straßen die Teilnahme von Pferden nicht zuließen, mussten die Kameraden des Reitercorps die Karnevalsumzüge zu Fuß absolvieren.

Nach Aschermittwoch begannen die Abrissarbeiten und die Renovierung des Zeughauses. Im August 2010 wurde Richtfest gefeiert. Ziel war es, bis zum Beginn der Jubiläumssession fertig zu werden.

Die Session 2010/2011 stand ganz im Zeichen des 75. Jubiläums des Corps. Zu den bekannten Veranstaltungen, die, wie gewohnt, jedes Jahr stattfanden, gab es auch neue Veranstaltungen und auch einige Änderungen. Der Generalappell wurde im großen Rahmen im Brückenforum abgehalten. Und nach Jahren gab es wieder eine Silvester-Party im Zeughaus.

Senator Walter Becker starb am 5.9.2010 plötzlich und unerwartet im Alter von 78 Jahren. Er war die treibende Kraft innerhalb des Senats für die Renovierung des Zeughauses. 1981 übernahm er die bereits ernannten Senatoren und gründete mit diesen den Senat, dessen erster Präsident er wurde.

Auch 40 Jahre Kadettencorps konnte gefeiert werden – schon einige Wäscherprinzessinnen sind aus dieser Gruppe hervorgegangen; ebenfalls feierte der Musikzug seinen 60. Geburtstag.

Und noch ein „runder“ Geburtstag: 75 Jahre „Bützoffiziere“, Karl-Heinz Honrath und Dieter Müller. 2011 endete die Ära mit Live-Musik im Zeughaus. Man beugte sich dem Zeitgeist und es gab es nur noch „Musik vom DJ“.

Im Jahre 2012 feierte man das 30-jährige Bestehen des Senats. Ohne Senatoren wäre so manche Anschaffung und besonders auch die Renovierung des Zeughauses nach der Sanierung der Kennedybrücke nicht möglich gewesen.

Ende Januar besuchte das Corps zum 2. Mal auf Einladung der KG 1. Elferrat Würzburg diese Stadt in Franken und nahm an einem Umzug und einem Corpsauftritt im Kongresszentrum teil.

Nun ist auch das Beueler Stadtsoldaten-Corps in der virtuellen Welt angekommen. Nicht nur im Internet (www.BeuelerStadtsoldaten.de) sondern auch bei facebook (www.facebook.com/beuelerstadtsoldaten.de) findet man viele Neuigkeiten.

Beim Deutschlandfest, das in diesem Jahr in Bonn stattfand, nahm das Corps bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von über 25 Grad, und das Anfang Oktober, mit rund 100 Stadtsoldaten und 25 Kinder des Kindercorps an einem großen Umzug durch die Bonner Innenstadt teil.

2013 feierte man 75 Jahre Kindercorps. 1938 waren erstmals Kinder in Stadtsoldatenuniform im Beueler Karneval zu sehen – heute sind es über 70 Kinder. Einer, der damals als Kind dabei war, ist heute noch als Aktiver tätig: der langjährige Leiter des Musikzuges, Karl-Josef Berger.

Nach 32 Jahren Arbeit im geschäftsführenden Vorstand dankte der Kommandant dem scheidenden Schatzmeister Wolfgang Schenk für seine herausragenden Verdienste um das Corps. Er erhielt den vom ehemaligen Kommandanten Egon Peffekoven dem Corps gestifteten Verdienstorden. Zu Ehren des verstorbenen Ehrensenatspräsidenten Walter Becker wurde im Zeughaus eine Bronzetafel enthüllt.

Das Damenkomitee „Beuele Määdche“ hatte zu Ehren der Wäscherprinzessin Marie Christine I. ein Lied eingesungen und auf CD prägen lassen.

Das Kindercorps präsentierte am 8.2.2014 seine „1. Kindersitzung“ mit „allem dröm un dran“, was so eine Sitzung benötigt.

Die „Lokalzeit Bonn“ des WDR war zu Besuch bei der Tanzgruppe der Infanterie und zeigte den Fernsehzuschauern, wie karnevalistische Tänze einstudiert werden. Sogar die Reporterin musste mittanzen. Ihr gefielen besonders die Proben der beiden Tanzpaare.

2015 war die 1. Session nach der Trennung der Aufgaben „Spieß und Leiter der Infanterie“ in 2 Personen.

Im Jahre 2016 feierte man 80 Jahre Beueler Stadtsoldaten-Corps, 80 Jahre Infanterie, 44 Jahre Kadettencorps und 33 Jahre Reitercorps. Gefeiert wurde mit einem großen Fest im Sommer 2016 im Zeughaus und dem benachbarten Garten des Mehlemschen Hauses.

Der Sessionsorden zeigt den neuen Schellenbaum des Musikzuges, der von seinem ältesten Mitglied, Karl-Josef Berger, dem Corps zu seinem 80. Geburtstag gestiftet wurde.

Modernisierungsmaßnahmen im Zelt beim Pützchens Markt sowie ein neuer „Biergarten“ vor dem Zelt kamen bei den Besuchern von Pützchens Markt gut an.

Der Musikzug spielte beim Musikcorps Köln-Flittard, welches im Karneval als 1. Regimentskapelle der Altstädter Köln auftritt. Im Gegenzug spielten die Kölner vor unserem Festzelt an Pützchens Markt.

In der Session 2016/17 wurde das 66-jährige Bestehen unseres Musikzuges gefeiert.

Das Jubiläumskonzert unseres Musikzuges im Zeughaus war ein grandioser Erfolg. Vor ausverkauftem Haus erlebten wir unter Leitung von Christian Schlosser eine musikalische Reise durch Tradition und Moderne.

Eine kleine aber feine und exklusive Herrensitzung zu schaffen war das Ziel des Senats. So luden die Senatoren zum 1. Herren-Convent. Neben einem handverlesenen Programm war mit einem gut ausgewählten Essen für das leibliche Wohl gesorgt.

Absolutes Highlight des Abend war sicherlich der Auftritt einer Kölner Legende. Im Zeughaus trat absolute Stille ein, als Hans Süper die Bühne betrat. Ein grandioser Auftritt wurde letztlich mit seiner Ernennung zum Ehrensenator des Beueler Stadtsoldaten-Corps gekrönt.

In der Session 2018/19 konnte die Abteilung Artillerie ihr 33-jähriges Bestehen feiern. Neben dem Sessionsorden, der dieses Jubiläum zum Inhalt hatte, wurde von der Abteilung ein Anstecker aufgelegt.

Mit einem karnevalistischen Frühschoppen, zu dem neben dem Corps viele Gäste aus alten Zeiten und befreundeten Corps eingeladen waren, wurde das Jubiläum ausgiebig gefeiert. Die Abteilung wartete mit einem Programm der Spitzenklasse und einem hervorragendem Buffet auf. Viele auf zwei Bildschirmen zu bewundernde alte Aufnahmen luden Gespräch über alte Zeiten ein.

Als Geschenk hatte sich die Abteilung finanzielle Unterstützung zur Restaurierung der alten Feldküche des Vereins gewünscht. Die Arbeiten an der aus dem Jahr 1940 stammenden Feldküche konnten 2021 abgeschlossen werden. Die „Alte“ ist wieder im Einsatz.

Zum dritten Mal ging es auf große Fahrt nach Würzburg. Mit zwei Bussen brachen wir am 02. Februar 2019 in Richtung Würzburg auf. Auf einem der Busse befand sich erstmals ein eigener Vereinsschriftzug mit Kniepes-Logo. Die Begeisterung war groß. Herzlichst in Würzburg aufgenommen, gab es den Empfang beim Oberbürgermeister, anschließend einen Auftritt in einem kleinen Vorort zum Warmwerden. Nach kräftiger Stär- kung beim Abendessen dann der große Auftritt im Würzburger Maritim.

In der Karnevalssession 2019/20 hatten wir richtig #bockaufbeuel. Den Sessionsorden zierte neben dem Beueler Wappen das alte Beueler Rathaus. Eben jener Backsteinbau, dem Vorgängerbauwerk unseres heutigen Rathauses, vor dem unsere Gründungsmitglieder 1936 den Traditionstanz „Beueler Jung“ ins Leben riefen.

Ganz im Zeichen des Beethovenjahres 2020 war der große Komponist auf dem Damenorden anzutreffen, allerdings mit dem typischen „Kniepes“-Auge und der dringend notwendigen „Pappnaas“.

Hatte es sich bereits auf einer Karnevalssitzung in Heinsberg und im Skiort Ischgl abgezeichnet, wurde es dann im April 2020 bittere Wahrheit. Die Corona-Maßnahmen legten nach und nach das öffentliche Leben in Deutschland lahm. Ab Mitte April ruhte dann das erste Mal seit dem 2. Weltkrieg das Vereinsleben vollständig. In der Folge fielen Jahreshauptversammlung, Seniorenfahrt und Adentskaffee der 66-jährigen aus. Abgesehen von einer Ausnahme im Sommer 2020 fanden inzwischen alle Stabssitzungen online stand.

Der Sommer brachte dann einige Erleichterungen in den Kontaktbeschränkungen. Die Tanzgruppe begann mit Outdoor-Training und dann wenige Male auch unter Auflagen ein Trainingsbetrieb im Zeughaus, dem sich dann auch das Kindercorps anschloss. Für den Musikzug ergab sich leider diese Möglichkeit nicht.

Der Pützchens Markt in den Jahren 2020 und 2021 wurde abgesagt. Nicht nur aus Sicht der Kameradschaft, auch in der Vereinskasse verursachte die Absage ein großes Loch.

Hohe Inzidenzwerte erzwangen im November 2020 mit strengen Kontaktbeschränkungen den erneuten kompletten Stillstand des Vereinslebens. Komplett, nein, nicht ganz … die Kameradschaft wurde doch im Kleinen z. B. mit einem gemeinsamen Kölsch im Online-Meeting gepflegt.

Geeignete Perspektiven für eine Planungssicherheit der Session 2020/21 waren nicht in Sicht. Karnevalsveranstaltungen mit reduzierten Teilnehmerzahlen und Abstand erschienen weder erstrebenswert noch hinreichend finanzierbar.

Letztlich kam es bereits im Oktober durch Intervention der Karnevalsverbände, u.a. auch unseres Festausschuss Siebengebirge, zur Absage aller Veranstaltungen der anstehenden Karnevalssession. Viele Vereine konnten so vor dem wirtschaftlichen Aus bewahrt werden, standen doch den aus- bleibenden Einnahmen auch die Ersparnis der Ausgaben für Karnevalsumzüge usw. gegenüber.

Die Absage der Session bedeutete für die Beueler Stadtsoldaten den Verzicht, das 85-jährige Bestehen des Corps zu feiern. So konnte das Corps seinen Aktiven lediglich mit einem Sessionsorden und einem Kniepes-Mundschutz eine Freude zu Weihnachten machen. Der Sessionsorden war eine Neuauflage des „Sparordens“ von 1979, der zu Errichtung des Zeughauses aufgelegt worden war.